Kita Eltern sprechen sich gegen 8h-Modell aus

Warum dieser Ansatz keine echte Entlastung bringt

Am 18. März wurde im Fachausschuss Kinderbetreuung über die Einführung eines zusätzlichen, optionalen 8-Stunden-Betreuungsmodells abgestimmt. Die Kita Elternvertretung Frankfurt (StEV) hatte sich bereits im Vorfeld intensiv mit dem Vorschlag auseinandergesetzt – und sich nun gegen die Beschlussvorlage ausgesprochen.

Die Einführung eines zusätzlichen 8h-Modells soll Fachkräfte in der Kindertagespflege entlasten.

Warum dagegen?

Zunächst möchten wir betonen: Die Entlastung der pädagogischen Fachkräfte ist ein zentrales Anliegen, das wir ausdrücklich unterstützen! Der aktuelle Fachkräftemangel belastet Erzieher:innen enorm und stellt eine der größten Herausforderungen im Bereich der Kinderbetreuung dar. Allerdings halten wir das 8h-Modell nicht für die richtige Maßnahme, um hier wirklich spürbare Verbesserungen zu erzielen. Insbesondere ist fraglich, ob die Bedürfnisse der berufstätigen Eltern und die Anforderungen an eine vollumfängliche Betreuung ausreichend berücksichtigt werden.

Unsere Kritikpunkte im Überblick:

Gefahr einer schleichenden Standardisierung: Obwohl das 8-Stunden-Modell als freiwillige Ergänzung eingeführt werden soll, besteht das Risiko, dass es mit der Zeit zur bevorzugten Option für Kita-Träger wird. Der Grund dafür liegt in den wirtschaftlichen Anreizmechanismen:

  • Einrichtungen könnten das 8-Stunden-Modell gegenüber längeren Betreuungszeiten aus organisatorischen und finanziellen Gründen bevorzugen, weil es einfacher mit den Arbeitszeiten des Personals vereinbar ist und eine kosteneffizientere Personaleinsatzplanung ermöglicht. 

  • Bevorzugen Einrichtungen bei der Platzvergabe 8-Stunden-Verträge, dürften sich Eltern angesichts der bestehenden Betreuungslücke trotz theoretischer Wahlfreiheit genötigt fühlen, eine Betreuungszeit von 8 anstatt 9,5 Stunden zu wählen.

  • Während bestehende 7-Stunden-Plätze bislang nur ein Sondermodell waren, könnte das 8-Stunden-Modell somit schrittweise zur neuen Norm werden.

  • Die Gefahr besteht, dass dadurch 9,5-Stunden-Plätze nach und nach reduziert werden. Viele Eltern arbeiten in Vollzeit (typischerweise 8-Stunden-Tage plus Anfahrtszeiten) und würden somit benachteiligt.

Kein echter Lösungsansatz für den Fachkräftemangel: Kürzere Öffnungszeiten ändern nichts an krankheitsbedingten Ausfällen oder der generellen Personalknappheit. In vielen Fällen wird es weiterhin zu Gruppen-Schließungen kommen müssen.

Schönere Statistiken – ohne echte Verbesserungen: Wenn weniger Betreuungsstunden angeboten werden, sieht es auf dem Papier nach einem geringeren Personalbedarf aus. Doch das Problem wird nur verdeckt, nicht gelöst.

Fehlende Flexibilität für Eltern: Wer einmal das 8h-Modell gewählt hat, könnte Schwierigkeiten haben, in eine längere Betreuungszeit zu wechseln. Das widerspricht dem Bedarf vieler Familien, die eigentlich gerne mehr arbeiten möchten oder müssen.


Unsere Forderungen: Was wirklich helfen würde

Anstatt auf das 8h-Modell zu setzen, fordern wir strukturelle Maßnahmen, die den Betreuungsalltag für alle Beteiligten nachhaltig verbessern:

Erhöhung der Ausbildungskapazitäten: Eine langfristige Strategie zur Fachkräftesicherung ist essentiell, um die strukturellen Probleme in der Kinderbetreuung nachhaltig zu lösen.

Bessere Arbeitsbedingungen für Erzieherinnen und Erzieher: Eine Verbesserung der Vergütung, Arbeitszeiten und beruflichen Entwicklungsperspektiven kann dazu beitragen, den Beruf attraktiver zu machen und die Fluktuation zu reduzieren.

Abschaffung der Regelung, dass Personal auch in Randzeiten vorgehalten werden muss, wenn tatsächlich kaum oder keine Kinder anwesend sind. Dies würde das Personal erheblich entlasten.

Investitionen in Digitalisierung, damit Einrichtungen besser erfassen können, wann wie viele Kinder tatsächlich Betreuung benötigen – inklusive berücksichtigter Hobbies, Urlaubszeiten und spontaner Abwesenheiten.

Mehr Aufklärung über den tatsächlichen Betreuungsmangel: Viele Eltern kompensieren den Fachkräftemangel, indem sie ihre Kinder öfter selbst betreuen oder früher abholen, oder spannen Großeltern und Babysitter zusätzlich ein – das verzerrt die Wahrnehmung des echten Ausmaßes der derzeitigen Betreuungs-Situation.

Die Kita-Eltern in Frankfurt brauchen ein verlässliches, aber vor allem auch flexibles Betreuungsangebot. Ein 8h-Modell bringt uns diesem Ziel nicht näher. Stattdessen braucht es intelligente Lösungen, die die Realität in den Kitas und Familien tatsächlich widerspiegeln.

Wie geht’s weiter?

Die Beschlussvorlage geht nun mit insgesamt 10 Ja-Stimmen und zwei Ablehnungen auf den Weg in den Jugendhilfe-Ausschuss und soll dort weiter diskutiert werden.

Wir halten euch über die Entwicklungen zu diesem Thema auf dem Laufenden!

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